Prekarisierte Leben und Gewaltverhältnisse

Der Forschungscluster untersucht die sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Praktiken, Prozesse, Normen und Strukturen, die verschiedene Formen der Prekarisierung und Ungleichheit in Bezug auf Lebens-, Arbeits- und Seinsweisen erzeugen. Dabei wird besonders auf die geschlechtsspezifischen Effekte und Implikationen dieser Prozesse eingegangen.

Ein zentraler Aspekt des Clusters ist die Frage, welche Rolle Geschlecht – vor allem in seiner Verbindung mit anderen Dimensionen von Ungleichheit, wie etwa Rasse, Klasse oder Herkunft – in gewaltsamen Formen der Kategorisierung, Marginalisierung, Entsicherung und Diskriminierung spielt. Es wird untersucht, wie bestimmte Lebensweisen, Arbeitsformen, Identitäten oder Körper dadurch besonders gefährdet, verletzbar oder prekär werden. Normierungsprozesse, die beispielsweise eine „richtige“ Lebensweise definieren (wie die männliche Erwerbsbiografie oder heterosexuelle Kernfamilien), führen zu sichtbaren und unsichtbaren Anerkennungs- und Ausgrenzungsmustern.

In diesen Prozessen arbeiten Institutionen und rechtliche Systeme häufig mit Essentialisierungen und Zuschreibungen, die bestimmte Gruppen isolieren und strukturelle Diskriminierungen aufrechterhalten. Dies verhindert die gleichberechtigte Teilhabe von besonders gefährdeten Gruppen, die etwa von Arbeitsmarkt, sozialer Sicherheit oder Rechtsschutz ausgeschlossen werden. Die Materialität des Lebens, die Verletzbarkeit von Menschen und Körpern, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil dieser Prekarisierung, die immer auch politisch wird.

Der Cluster fokussiert sich auf die Wechselwirkungen zwischen sozialen Ordnungsbildungsprozessen und der Materialität des Lebens, insbesondere in Bereichen wie Arbeit, Bildung, Körper, Raum und Natur. Diese Verschränkungen werden besonders sichtbar, wenn es um prekäre Arbeitsbedingungen, Flucht und Migration, Rassismus oder Gewalt geht. Ein zentrales Interesse gilt dabei der Frage, wie gesellschaftliche Verhältnisse, die stark von Geschlecht geprägt sind, auf Menschen, Tiere und die Umwelt wirken. Gleichzeitig wird auch untersucht, welche Widerstände und Gegenbewegungen entstehen, etwa durch individuelle oder kollektive Bestrebungen, die normativen Strukturen zu verändern.

Die Forschungsprojekte zielen darauf ab, das Verhältnis zwischen prekarisierten Lebensbedingungen und Gewaltverhältnissen zu analysieren und dabei zu zeigen, wie Geschlecht diese Verhältnisse formt und mitgestaltet. Die Projekte umfassen sowohl historische als auch zeitgenössische Analysen und beleuchten die Bedeutung von Geschlecht in sozialen Ungleichheitsverhältnissen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung politischer und gesellschaftlicher Bewegungen (wie feministische Bewegungen, LGBTIQ*-Bewegungen, Arbeiterbewegungen und Bürgerrechtsbewegungen), die Ungleichheit thematisieren und Strategien zur Überwindung dieser entwickeln.